пятница, 2 марта 2012 г.

Vision mit Rissen

ZUM 100. GEBURTSTAG VON KURT MAETZIG

Am 25. Januar wird Kurt Maetzig 100 Jahre alt Drei Jahrzehnte lang, von 1946 von 1976, hat er Filme gedreht, mehr als 20 abendf�llende Spiel- sowie Dutzende Dokumentarfilme und Wochenschauen. Er war Mitbegr�nder und einer der ersten Gesellschafter der DEFA. Im selben Jahr, 1946, hob er deren Wochenschau "Der Augenzeuge" mit aus der Taufe. F�r seinen Spielfilm "Ehe im Schatten" (1947), den ersten deutschen RIm zum Thema Holocaust, erhielt er einen der ersten "Bambis": Noch waren die Grenzen offen und gesamtdeutsche Publikumserfolge m�glich. 1954 wurde Maetzig zum Gr�ndungsrektor der ersten deutschen Filmhochschule nach dem Zweiten Weltkrieg, der heutigen HFF "Konrad Wolf" in PotsdamBabelsberg berufen. 1956 z�hlte er zu den Initiatoren der so genannten K�nstlerischen Arbeitsgruppen, demokratische Vereinigungen gleich gesinnter Filmemacher innerhalb der DEFA, und leitete bald selbst die Gruppe "Roter Kreis".

1959 drehte Maetzig die erste Science-Fiction-Produktion der DDR: "Der schweigende Stern", ein mahnendes Pamphlet gegen den Atomkrieg. Sein Film "Das Kaninchen bin ich" (1965), eine schonungslose Abrechnung mit Opportunisten im Justizwesen der DDR, stand zusammen mit Frank Vogels "Denk blo� nicht ich heule" ganz oben auf der Verbotsliste dogmatischer SED-Funktion�re. In "Januskopf" (1972) dachte er als erster Filmemacher �ber die Chancen und Risiken der Genforschung nach. Sp�ter, nachdem er beschlossen hatte, nicht mehr Regie zu f�hren, wurde Maetzig zum ersten Pr�sidenten des Nationalen Spielfilmfestivals der DDR berufen, dann, nicht zuletzt aufgrund seines Verm�gens, flie�end englisch und franz�sisch zu parlieren, auch zum Ehrenpr�sidenten der internationalen Filmclub-F�deration FICC. Er war in vielen Beziehungen ein Neuerer, und wenn er mit Leitungsfunktionen betraut wurde, machte er es sich darin nie bequem, sondern f�llte sie mit hoher Intelligenz und Wissbegier aus - und mit dem Wunsch, selbst immer noch dazu zu lernen. Stets legte er Wert auf gewissenhafte Vorbereitung, eine klare, sachbezogene Sprache, Akkuratesse in jeder Beziehung. Als �ber 70-J�hriger schaffte er sich einen Computer an und chattet heute noch im Internet Als ihn die DEFA-Stiftung im November 2010 f�r seine Verthenste um den deutschen Film auszeichnete, gr�mte er sich sehr, als er auf der B�hne w�hrend seiner frei vorgetragenen, an Nebens�tzen reichen Dankesrede pl�tzlich stecken blieb. Das Manuskript, das er in der Tasche seines Jacketts verborgen hatte, zog er auf Bitten seiner Frau nur widerwillig hervor. Zuh�rer, die ihn schon lange kennen, empfanden dies als ber�hrenden Moment: "Es ist selten, dass wir den perfekten Kurt Maetzig auch einmal unperfekt erleben. Aber es ist auch sch�n."

Was bleibt von seinem filmischen OEuvre? Ganz ohne Zweifel sein Deb�t "Ehe im Schatten", mit dem der ausgebildete Diplomkaufmann, Fotochemiker und Filmtechniker das deutsche Nachkriegskino wesentlich mitpr�gte. Dieses Melodram �ber einen Schauspieler, der gemeinsam mit seiner j�dischen Frau in den Freitod geht, kam Maetzig aus tiefstem Herzen: Wenige Jahre zuvor hatte seine Mutter, ebenfalls j�discher Abstammung, den gleichen Weg aus einem Leben gesucht, in dem sie keine Hoffnung mehr f�r sich sah. Auch mit "Das Kaninchen bin ich" setzte er ein politisches Ausrufezeichen: Die DDR-Justiz mit ihrem politisch sanktionierten Unrecht gegen�ber systemkritischen Menschen geriet zum Sinnbild f�r eine schon in ihren Wurzeln faulige Art von behaupteter Demokratie. Zugleich war dieser Film, nach einer Reihe k�nstlerischer Misserfolge, f�r Maetzig auch ein Schritt in artifizielles Neuland: Mit "Das Kaninchen bin ich" bewegte er sich ungezwungen in Zeit und Raum, verknappte langwierige Ann�herungsprozesse der Figuren zu einer flie�enden Einheit, machte Interieurs, zum Beispiel die Arbeitszimmer, G�nge und Treppenh�user des Gerichtsgeb�udes, zu Mitwirkenden. Selten zuvor und nie wieder danach drehte Maetzig einen so freien und modernen Film. Oft, sicher zu oft, ordnete er sich dem Diktum der politisch M�chtigen unter, die Kino meist als verl�ngerten Arm der Propaganda begriffen und �ber Jahrzehnte ein verqueres, im Stalinismus geborenes und gewachsenes Kunstverst�ndnis an den Tag legten - und so auch der filmischen Form Fesseln anzulegen versuchten.

Allerdings war f�r Maetzig, der in der DDR sehr fr�h mit Nationalpreisen und anderen Auszeichnungen geehrt wurde, die Bundesrepublik nie eine Alternative; weder politisch noch in dem, was sie, von Ausnahmen abgesehen, an Kino hervorbrachte. Mit Sorge beobachtete er die R�ckkehr von Schuldigen aus Faschismus und Krieg in hohe �mter des westdeutschen Staates und der Wirtschaft "Der Rat der G�tter" (1950) war ein erster filmischer Kommentar zu diesen Entwicklungen: Hier b�ndelte er dokumentarische Recherchen �ber die Verquickung des IG-Farben-Konzerns und der NSRegierung zu einer packenden Spielfilmhandlung, die er bis in die unmittelbare Gegenwart fortsetzte. H�lt man sich vor Augen, was zeitgleich im Westen in die Kinos kam, von Harald Brauns religi�sen Besinnungsdramen "Nachtwache" und "Der fallende Stern" �ber Peter Lorre s hochgradig resignativen "Der Verlorene" bis zu Hans Deppes "Schwarzwaldm�del", erweist sich "Der Rat der G�tter" trotz seines agitatorischen Duktus als analytisch, zwingend und klug. Wie viele andere Intellektuelle, von Bert Brecht bis Anna Seghers, war sich Maetzig sicher, im Osten am Entstehen einer neuen, "besseren" Gesellschaft teilzunehmen, der er sich lange Zeit vorbehaltlos zur Verf�gung stellte. Filme wie "Roman einer jungen Ehe" (1951) und "Ernst Th�lmann" (1954/55), aber auch "Septemberliebe" (1961) zeigten ihn auf dem H�hepunkt von Agitation und Affirmation. In "Schl�sser und Katen" (1957), einem Landwirtschaftspanorama von der Bodenreform bis zu den Auswirkungen des 17. Juni 1953, gestattete er sich freilich auch kritische Fragen zur gesellschaftlichen Entwicklung der DDR: Die Vision einer besseren Welt hatte Risse bekommen. Dieser zweiteilige Film und die Tragikom�die "Vergesst mir meine Traudel nicht" (1957), in der er mit ungewohnt leisen T�nen darauf hinwies, dass jeder Mensch seine eigene Biografie hat, mit der sorgsam umgegangen werden muss, entstanden in Zeiten politischen Tauwetters und einer gewissen liberalen Handhabung kulturpolitischer Prinzipien: F�r Maetzig waren solche kurzen, fr�hlingshaften Perioden der D D R- Geschichte stets die besten, k�nstlerisch fruchtbarsten Jahre.

1976, nach der Anti-Kriegsparabel "Mann gegen Mann", verlie� Maetzig die DEFA. Er wusste, dass sein fast zwei Jahrzehnte lang gehegter Traum, einen Film nach Heinrich Manns "Henri Quatre"-Romanen zu drehen, das Portr�t eines "guten und gerechten K�nigs", sich nicht erf�llen w�rde. Das Projekt w�re sehr teuer gewesen; franz�sische Co-Produzenten antworteten auf Anfragen der DEFA mit Absagen, unter anderem deshalb, weil Heinrich Manns Werk in Frankreich zu wenig bekannt und die Sicht franz�sischer Historiker auf den K�nig eine andere war als die des Buchs. Gern h�tte sich Maetzig auch Voltaires "Candide" zugewandt, einer Lieblingslekt�re seiner Jugend, die er mitunter auch seinen Sch�lern zu lesen gab - doch er ahnte: dies war kein Stoff, der ins Profil einer "sozialistischen Filmkunst" passte. Ralf Schenk

Hinweis

Das Filmmuseum Potsdam widmet Kurt Maetzig zum 100. Geburtstag eine Veranstaltung sowie eine Filmreihe, gef�rdert durch die DEFA-Stiftung und die Rosa-LuxemburgStiftung Brandenburg. Am 28. Januar erf�llt ihm das Museum zudem seinen pers�nlichen Filmwunsch: Marcel Carn�s "Die Kinder des Olymp"; am selben Tag wird "Christiane M�ckenberger im Interview mit Kurt Maetzig", ein Film der Akademie der K�nste (2010/1 1) erstaufgef�hrt; es folgen Gregor Gysi im Gespr�ch mit Maetzig sowie eine Laudatio von Wolfgang Kohlhaase. In den Monaten Januar und Februar sind dann zahlreiche Filme von Kurt Maetzig zu sehen.

www.filmmuseum-potsdam.de

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